De gsunde Watschn

Weit verbreitet ist sie, die Meinung, eine gsunde Watschn hat noch nie geschadet. Blöd nur, dass es meist nicht bei einer bleibt. Wie schauts dann aus? Die tägliche Watschn hat auch noch nie geschadet oder wie ist das dann?

Hin und wieder eine „Tetschn“ kann nicht verkehrt sein. So bekommen die Kinder ihre Grenzen aufgezeigt und sie lernen zu folgen. Nicht wahr?

 

Die Wahrheit ist aber eine ganz andere. Schauen wir uns das Ganze mal aus der Sicht der Eltern an. Warum ist man als Elternteil bereit, seinem Kind absichtlich und willentlich, physischen und emotionalen Schmerz zuzufügen? Genau, weil man als Elternteil heillos überfordert ist, weil man keine andere Möglichkeit sieht das Kind „gefügig“ zu machen. Weil man als Elternteil Angst hat die Kontrolle über die Situation zu verlieren. Das Kind spurt nicht, beim gefühlten 95igsten Reden macht es nicht was Mama oder Papa will. Das lässt sich der Erwachsene doch nicht bieten und schlägt zu. Ja genau schlagen. Nein schlagen ist das nicht, ist ja nur eine Watschen. Worin genau liegt der Unterschied zwischen schlagen und Watschen?

 

Was passiert nach der gsundn Watschen? Der Elternteil fühlt sich bisschen erleichtert, man hat die Sache geregelt dem Kind gezeigt wer das Sagen hat. Das Kind hört auf, das Verbotene zu tun, man hat die Situation im Griff.

Bis zum nächsten Mal! Vielleicht morgen oder auch schon in einer Stunde.

 

Vielleicht oder besser gesagt hoffentlich, hat der Elternteil ein schlechtes Gewissen. Aber wenn sich das Kind auch nicht benimmt und hört dann muss es doch mit den Konsequenzen rechnen, nicht wahr? Kinder brauchen schließlich die Grenzen klar aufgezeigt.

 

Glauben Eltern allen Ernstes, dass dies gesund ist und sie das Recht dazu haben? Wie schaut es mit den Rechten der Kinder aus?

 

Nie, wirklich nie führt eine Ohrfeige zu einer Veränderung des Kindesverhalten. Das Gegenteil wird der Fall sein, das Kind wird noch weniger hören, wird trotziger und aggressiver. Vielleicht zieht es sich aber auch immer mehr zurück, erzählt nichts mehr, fühlt sich ungeliebt. Aber natürlich ist da auch wieder das Kind dafür verantwortlich zu machen, oder etwa doch nicht?

 

Kinder handeln intuitiv. Sie überlegen nicht lange, welches Verhalten welche Konsequenz nach sich zieht, oder was passiert, wenn sie dieses oder jenes machen. Sie lernen durch ausprobieren, beobachten und nachahmen.

 

Kinder brauchen Grenzen ja, auf jeden Fall. Sie müssen auch darauf hingewiesen werden, wenn sie ein Verhalten an den Tag legen, dass nicht in Ordnung ist. Natürlich!

 

Aber manchmal agieren die Kinder eben wie sie es tun, weil sie müde, überfordert und ganz oft überreizt sind! Das sollte man immer bedenken, wenn die Kinder austicken! Niemals ist die gsunde Watschn die Lösung.

 

Liebe Eltern, zu den Kindern braucht man Be-ziehung. Dies ist viel wichtiger als die Er-ziehung. Hat man eine gute Be-ziehung zu den Kindern dann tun sie auch öfters das was man von ihnen will. Nicht immer, und das ist auch gut so! Auch Kinder dürfen ihren eigenen Kopf haben und Nein sagen, schließlich sollen sie mit 15 Jahren zum Drogendealer auch nein sagen, nicht wahr?

 

Wer sein Kind schlägt, weil er selbst überfordert und hilflos ist, der baut keine Beziehung auf, sondern zerstört etwas, tief in seinem Kind drin. Vielleicht zerstört es Selbstvertrauen, Vertrauen in die Welt, Vertrauen in Mama/Papa, was auch immer es für Tragweite haben wird.

 

Ja Kinder sind anstrengend, mühsam und kräfteraubend. Und Kinder bringen einem an Grenzen wo man, bevor man Kinder hatte nicht wusste, dass dies überhaupt möglich sei. Aber niemals darf die Schuld beim Kind gesucht werden. Als Elternteil ist es die Pflicht, die Verantwortung zu sich zu nehmen und sich zu fragen:

 

Warum kann ich mich nicht beherrschen?

Warum bringt mich mein Kind so in Rage?

Wieso schaff ich es nicht die Situation anders zu retten und meine Hand nicht zu erheben?

Warum kann ich nicht drüberstehen und mein Kind aus der Situation holen?

 

Kinder können nicht immer die Wünsche und Anforderungen der Eltern erfüllen. Aus einem ganz einfachen Grund: weil sie es kognitiv nicht schaffen! Sie leben in ihrer eigenen Kinderwelt und das ist auch sehr gut so. Lasst die Kinder, Kinder sein. Erwartet von ihnen nicht, sich wie Erwachsene zu benehmen.

Die Verantwortung, wie die Beziehung zum Kind ist, liegt immer, wirklich immer beim Erwachsenen.

 

Vielleicht fragen sie sich beim nächsten Mal, wenn sie die Hand erheben und ausholen, nicht was hat mein Kind für ein Problem, sondern welches Problem habe eigentlich ich? Oder denken sie zurück, was hat die gsunde Watschn gefühlsmäßig mit mir gemacht?

 

Die gsunde Watschn war nie gesund. Sie war und ist Ausdruck der Hilflosigkeit und Überforderung der Eltern. Und ja, sie macht etwas mit der Eltern-Kind Beziehung, in welcher Form auch immer.